• Boris Bandyopadhyay

Neues Sitzen, Liegen, Fletzen auf der Internationalen Möbelmesse Köln – Raumgestaltung 2020

Boris Bandyopadhyay // www.bandyopadhyay.de

Das Sofa entwickelt sich von der Sitz- zur Liegelandschaft, der Essstuhl wird zum Esslounger und Hocker verwandeln sich in Wohnskulpturen. Neues Sitzen von der IMM2020. #imm2020 #ligneroset #girsberger #thonet #team7 #horgenglarus #heysign #riva1920 #mariobotta #marcodessi #jakobstrobel #bernardgovin #hoffmannkahleyssdesign #eerosaarinen #knollinc


Das Sofa wird zur Liegelandschaft

Das Sofa entwickelt sich von der Sitz- zur Liegelandschaft wie hier bei dem Entwurf Asmara von Bernhard Govin für Ligne Roset.


Der Essstuhl wird zum bequemen Lounge Chair am Tisch

Die schweizer Möbelmanufaktur Girsberger zeigt ihren gepolsterten Essstuhl, der die neue Rolle des Essstuhls als äußerst bequemes Sitzmöbel am Esstisch aufgreift und für das lange Sitzen am Tisch konzipiert ist. Wir essen nicht nur am Tisch, sondern sitzen danach mit Familie und Freunden zusammen. Auch Ligne Roset zeigt mit VALMY von Ramy Fischler (Abb. oben) einen super bequemen Essstuhl mit einer an nach außen gestülpte Kannelierungen von Säulen erinnernden Rückenpolsterpartie. Dieses neue Bedürfnis griff als einer der ersten Essstühle der Hersteller Freifrau aus Lemgo auf. Das Designduo Brigitte Hoffmann und Christoph Kahleyess entwarfen bereits vor Jahren die erfolgreiche Stuhlserie Leya,


Was Freifrau mit Leya begonnen hat, führen jetzt Hersteller wie Team 7 und Thonet weiter

Auch Team 7 hat jetzt mit dem Grand Lui Stuhl von Jacob Strobel eine, auf erhöhten Sitzkomfort ausgerichtete, Stuhlserie im Programm, die ähnlich wie die Leya Essstühle von Freifrau mit verschiedenen Varianten der Sitzschale und einem besonders einladenden, an weiche Kissen erinnernden, Polster mit speziellem Faltenwurf nicht nur funktional bequem sein will, sondern auch optisch zum faulen Sitzen einlädt. Ein anderes Konzept des äußerst bequemen Essstuhls verfolgt Thonet mit seiner von Marco Dessi entworfenen Serie 520 PF und 520 P. Während diese Form mit dem offenen Rückenpolster an den bekannten Eero Saarinen Entwurf des Executive Armchair von 1950 für Knoll erinnert, sind hier die Thonet typischen gebogenen Bugholzelemente gut integriert und ergeben ein markantes Zusammenspiel mit der Polsterung.


Do not forget the classics – Mosers 376 select von 1934

Die schweizer Traditionsmanufaktur Horgenglarus zeigt seinen zeitlosen Stuhl 376 select aus dem Jahr 1934 von Werner Max Moser mit per Hand eingeflochtenem Joncgeflecht (im Unterschied zu anderen Traditionsherstellern, die mittlerweile ein vorgeflochtenes Gewebe einsetzen). Die weit umgreifende Rückenlehne wirkt sehr aktuell und betont auf sehr reduzierte schweizer Art den umarmenden Charakter, den auch alle neuen super bequemen Essstühle erreichen möchten.


Hocker – Die neuen Skulpturen zum Fletzen

Vielleicht weil der Hocker als kleiner Bruder des Stuhls oder als Zwitter zwischen Sofa, Pouff und Sessel gilt und ihm nicht soviel Aufmerksamkeit zuteil wird, wie der Königsdisziplin des Stuhlentwurfs, sehen wir tatsächlich experimentelle, skulpturale Entwürfe, die aus dem kleinen Sitzmöbel ein bequemes Fletzobjekt machen. Auch unbenutzt zieht es in der Raumgestaltung die Aufmerksamkeit auf sich, wie hier z. B. der „brilliante“ Seating Diamond Filzhocker von Boris Pickenhagen des deutschen Herstellers Hey-Sign. Auch die Hocker von Scholtissek, Ligne Roset und Riva1920 haben jeweils ihren eigenen Charakter, sodass der allseits gerundete Vierfüßler von Ligne Roset (Bild Nr. 3) schon fast das Haustier ersetzt und der Clessidra Hocker von Mario Botta für Riva1920 mit seinem massiven Zedernholz einen Duft von Mittelmeer nach Hause bringt.